Fahrradtrainer XSpin von Pafers im Praxistest

Keine Frage: Wetter in Deutschland lädt nicht zu jeder Jahreszeit dazu ein, an der frischen Luft mit dem Bike zu trainieren – im Winter kann das wegen der Glätte sogar richtig gefährlich werden. Die Alternative heißt „Spinning“ im Fitnessstudio – bei idealen Temperaturen ohne Regen und Schnee. Doch das Radeln im Fitnesstempel kann schnell langweilig werden. Denn dass es nicht möglich ist, sich vom Fleck zu bewegen kann wohl niemand ändern. Förderlich für die Motivation ist dieser Umstand allerdings nicht. Das erst vor drei Jahren gegründete Unternehmen „Pafers Tech“ möchte das nun ändern: Mit „Xspin“ soll es Bikern nun möglich werden, auf Google Maps fremde Städte abzufahren – selbstverständlich ohne die eigenen vier Wände oder das Fitnessstudio zu verlassen. Dieser Test soll klären ob man von dem Produkt einen echten Motivationsschub erwarten kann oder es sich nur um eine witzige Spielerei handelt.

Der XSPIN in der Verpackung

Der XSPIN in der Verpackung

Solider Sender – fehlende Status-LED

Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein Bluetooth-Sender wird am Trainingsgerät befestigt, misst die Geschwindigkeit und suggeriert via einer eigens angebotenen App, dass man sich durch eine reale Stadt bewegen würde. Der Bluetooth-Sender selbst macht nach dem Auspacken einen durchaus hochwertigen Eindruck und ist durchaus positiv: Kleiner als eine Schachtel Zigaretten ist er vor allem nicht zu schwer. Die Befestigung soll laut Pafers über einen Gurt an dem Pedalarm stattfinden. Ein zu großes Gewicht hätte natürlich zur Folge, dass auch der Trainingswiderstand beeinflusst werden würde. Außerdem werden Haftpads mitgeliefert. Dadurch kann der Xspin auch an Crosstrainern befestigt werden, die in der Regel ja nicht über Pedalarme verfügen. Ob das im Fitnessstudio auch möglich ist, darf allerdings bezweifelt werden: Denn die Haftpads können zwar eine lösbare Verbindung mit dem Bluetooth-Sender eingehen, an den Crosstrainer müssen sie allerdings aufgeklebt werden – bei fremden Geräten erscheint das kaum möglich. Insgesamt macht Pafers sich also den Umstand zunutze, dass bei Trainingsgeräten die Übersetzung keine Rolle spielt und von der Tretgeschwindigkeit auch gleich auf die fiktive Fahrgeschwindigkeit geschlossen werden kann – keine schlechte Idee. Die Handhabung des Xspin selbst ist ansonsten sehr einfach, was auch damit zusammenhängt, dass der Sender nur über einen Ein- und Ausschalter verfügt. Zumindest eine LED, die den Betrieb des Xspin signalisiert, wäre aber wünschenswert gewesen. So ist ohne Smartphone oder Tablet unklar, ob der Sender eingeschaltet ist. Während der Benutzung ist das kein Problem, bei dem Transport kann sich der Bluetoothsender allerdings durchaus unbemerkt einschalten.

Nur iOS wird unterstützt

Nachdem die Hardware installiert wurde, sollte zumindest eine der beiden Apps „Cylce on Earth“ oder „Cycle Rush“ installiert werden – und spätestens hier macht sich ein deutlicher Nachteil des X-Spin bemerkbar: Leider sind beide Apps nur für iOS verfügbar, können also nur auf einem iPhone oder iPad installiert werden. Vielleicht wäre es auch für den eigenen Umsatz klüger gewesen, nur eine App anzubieten und diese zumindest auch für Android anzubieten – bei einem Marktanteil von über 70% könnte der Kundenkreis ganz erheblich vergrößert werden. Zudem sind beide Apps nicht in deutscher Sprache verfügbar, was allerdings zu verschmerzen ist. Die Kopplung des Senders mit dem iPhone gelang nicht beim ersten Mal, nach einem zweiten Versuch konnte allerdings eine dauerhafte Verbindung hergestellt werden, die auch über den gesamten Testzeitraum stabil blieb.

App „Cycle Rush“ ohne sinnvollen Funktionsumfang

Die App „Cycle Rush“ soll motivierende Trainingsprogramme bieten – mit der eigentlichen Werbung, dem Befahren von Innenstädten, hat das allerdings nichts zu tun. Die Trainingspläne der App entsprechen weitgehend auch jenen Profilen, die Fahrradergometer ohnehin bereithalten. Die Idee der App besteht darin, dem Nutzer zur Seite zu stehen, wenn ein gewisser Puls über- oder unterschritten wird. Diese Tipps sind gleich in zweierlei Hinsicht kritisch: Zum einen wird hier offensichtlich der sogenannte „Fettverbrennungspuls“ zwischen 120 und 130 Schlägen pro Minute als Maßstab genommen; zum anderen muss der Puls zunächst überwacht werden können. Doch dafür ist eine Pulsmessung möglich, die die Ergebnisse ebenfalls an das iPhone sendet. Pafers hat dafür einen Brustgurt im Programm, der als „HR-Kit“ verkauft wird. Das Problem aber ist, dass nur entweder das HR-Kit oder X-Spin nutzbar ist – eine Kopllung beider Messinstrumente ist laut Pafers derzeit nicht vorgesehen. Somit bleibt die Feststellung, dass der Nutzen der App „Cycle Rush“ mit dem X-Spin ziemlich gering ist – zumal der App auch Abstürze nicht unbekannt sind.

Hoher Datentraffic: Nutzung am besten nur via WLAN

Wesentlich interessanter ist dagegen „Cycle on Earth“: Die App nutzt das Kartenmaterial von Google und gaukelt dem Dienst eine Bewegung vor. Nach dem Starten der App kann ganz einfach eine Route festgelegt werden. Wer bereits mit Google Mapps gearbeitet hat, dürfte dabei keine Schwierigkeiten haben, auch wenn – wie bereits erwähnt – keine deutsche Übersetzung implementiert ist. Sobald man die Route startet, wird auch die von „Google Streetview“ bekannte Ansicht umgestellt. Für den Nutzer hat das gleich zwei Konsequenzen: Zu einen ist eine solch realistische Ansicht nur für Strecken möglich, die auch von Google aufgezeichnet wurden. In den meisten deutschen Innenstädten ist das zwar der Fall, über jedes kleinere Dorf ist das Material aber nicht aufgezeichnet worden. Zum anderen ist die Datenmenge, die herunter geladen werden muss, nicht klein. Bei einer WLAN-Verbindung sollte dies kein Problem darstellen, über das Mobilfunknetz ist eine Benutzung allerdings keinesfalls anzuraten. Denn dann könnte schon nach kurzer Zeit eine Drosselung einsetzen, weil das Datenvolumen aufgebraucht wurde. Sieht man davon ab, funktioniert die App allerdings. Berücksichtigt werden sollte nur, dass die „Fahrt“ durch eine fremde Stadt eher einer Diashow gleicht – wie bei Streeview werden nur verschiedene Bilder eingeblendet, eine Bewegung in Echtzeit ist nicht möglich.

Fazit: Gute Idee, verbesserungswürdige Umsetzung

Die Idee ist zweifelsohne gut: Beim Spinning im Fitnessstudio kann die Illusion vermittelt werden, man würde sich durch eine fremde Stadt bewegen. Allerdings ist dazu ein iPhone oder ein iPad notwendig. Außerdem ist diese Funktionalität nur dann nutzbar, wenn auch ein WLAN-Netzwerk mit unbegrenztem Datenvolumen zur Verfügung steht. Unverständlich ist allerdings, warum die App nicht auch für Android angeboten sind. Selbst in den USA ist Apple längst nicht mehr dominierend. Zudem sollte unbedarften Nutzern klar sein, dass der Eindruck nicht so realitätsnah ist, wie die Werbung des Herstellers Pafers vorgibt: Eine flüssige Fahrt ergibt sich nicht, stattdessen werden nur immer neue Bilder eingeblendet, die dem Material von Google Streetview entnommen wurden. Ob das den Anschaffungspreis von rund $ 80 wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

An dieser Stelle vielen Dank an bhfitness.com für die Zurverfügungstellung eines Testgerätes

Fahrradtrainer XSpin von Pafers im Praxistest
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